3.2. Puffersysteme#
Bikarbonatpuffer, Hämoglobin, Plasmaproteine, Phosphate
Gleichgewichtsreaktion für Bikarbonatpuffer: \({\rm HCO}_{3}^{-} + {\rm H}^{+} \longleftrightarrow {\rm H}_{2}{\rm O} + {\rm CO}_{2}\) (20:1)
Henderson-Hasselbalch-Gleichung: \({\rm pH} = 6.1 + \log\frac{{\rm HCO}_{3}}{pa{\rm CO}_{2}}\)
- Elimination von Säuren
Durch Abatmung von CO2werden Protonen eliminiert (\({\rm CO}_{2} + {\rm H}_{2}{\rm O} \longleftrightarrow {\rm H}_{2}{\rm CO}_{3} \longleftrightarrow {\rm HCO}_{3}^{-} + {\rm H}^{+}\))
renale Ausscheidung der “fixen Säuren” als Ammonium-(NH4⁺), Phosphat-(HPO4²⁻) und SulfatIonen (SO4²⁻) normal: 40-60 mmol / d
Wichtig
Metabolische Azidoseeine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung! Schnelle, fokussierte Diagnostik ist wichtig!
Liegt eine einfache oder komplexe metabolische Azidose vor
Liegt ein Verlust von Bikarbonat oder eine Anreicherung von Protonen vor?
- Auswirkungen der schweren Azidose (pH < 7,20)auf den Organismus
Zerebral: Benommenheit, Somnolenz, Koma
Hemmung von Glucosestoffwechsel und Zellvolumenregulation
zerebrale Vasodilatation
Stoffwechsel: verstärkter Proteinkatabolismus
Insulinresistenz, Hyperkaliämie
Reduktion der ATP-Synthese
Atmung: Hyperventilation
Kardiovaskulär: Kontraktilität ↓, Arrhythmieneigung ↑
pulmonaler Gefäßwiderstand↑
Verminderung der Katecholaminsensitivität (pH < 7,20)
- Ursachen der metabolischen Azidose
Vermehrte endogene Produktion fixer Säuren, deren Menge die Ausscheidungskapazität der Niere übersteigt. Beispiel: Laktatazidose, Ketoazidose
Erkrankungen des Nierenparenchyms, die mit verminderter Ausscheidung von Säuren einhergehen
Beispiel:Azidose bei chronischer Niereninsuffizienz 3. Verlust von Bikarbonat durch vermehrte renale oder enterale Ausscheidung. Beispiel: Diarrhoe, proximal renale tubuläre Azidose 4. Exogene Zufuhr von organischen Säuren. Beispiel: Methanol, Äthylenglykol,Salizylateetabolische
- Anionenlücke
Na – (Cl+HCO₃⁻) = normalerweise 8-16
Bei Azidoseformen durch Bikarbonatverlust entsteht, korregieren dies durch Cloridanstieg = normale Anionenlücke. Z.B. Diarrhoe, Fisteln oder renale Bikarbonatverluste (renal tubuläre Azidose). = Hyperchlorämische Azidose!
Azidosen, welche durch vermehrte Bildung von Säuren zustande kommen, wie Laktatazidose (Hunger) oder Ketoazidose (Diabetes), Intoxikation und chronische Niereninsuffizienz, haben eine vergrößerte Anionenlücke.
- Merke
Bei metabolischen Störungen ändert sich der pCO₂ und BE mit dem pH (“metabolisch miteinander”),
bei respiratorischen Störungen ändert sich der pCO₂ und BE gegenläufig/revers zum pH.
Eine Änderung des pH um 0,1 entspricht einer Änderung des pCO₂ von 12 mm Hg bzw. BE von 6.
- Ketoazidose
Durch verminderte Glucoseutilisation (Insulinmangel): Lipolyse ↑ mit Entstehung von Azetoazetat und beta-Hydroxybutyrat (Azidose)
Bikarbonat puffert entstehende Protonen.
Azetoazetat und beta-Hydroxybutyrat „ersetzen“ Bikarbonat
Folge: Bikarbonat ↓, Anionenlücke ↑
Therapie: Volumensubstitution, Kaliumsubstitution, Insulin, Azidoseausgleich erst bei pH < 7.10!
- Laktatazidose
verminderte Gewebeperfusion (Schock, Sepsis, Ischämie, Typ A)
Therapie mit Metformin, INH (Typ B)
Entstehung von Laktat durch anaerobe Glykolyse (Azidose)
Bikarbonat puffert entstehende Protonen
Laktat „ersetzt“ Bikarbonat im Plasma
Folge: Bikarbonat ↓, Anionenlücke ↑ Therapie: Verbesserung der Gewebeperfusion (kausale Therapie), Absetzen der Noxe; Bikarbonatgabe? Hämodialyse?
50% der Säure/Basen-Störungen im KH sind metabolische Alkalosen!
- Ursachen von metabolischen Alkalosen
Verlust von Säure (enteral)
Shift von H+nach intrazellulär bei Hypokaliämie
Exzessive Gabe von Bikarbonat
Kontraktionsalkalose (Volumenkontraktion bei niedrigem Cl⁻)
Zur Diagnostik muss die Anamnese (Erbrechen,…) mit Klinik (Volumenmangel?) erhoben werden. Die Vitalparameter und Nierenfunktionswerte (GFR) geben ebenfalls wertvolle Hinweise. Selten findet sich eine Normovolämie mit hyertensiver Blutdrucklage bei Hyperaldosteronismus, schwerem Kaliummangel, Lakritzeabusus, Cushingsyndrom oder Liddle-Syndrom.
Typischerweise findet man eine Hypovolämie mit erniedrigtem Chlorid bei Gastrointestinalen Verlusten (Erbrechen, Magensaftdrainage,… NaCl sensitiv: Volumengabe korregiert die Alkalose), oder erhöhten Chloridwerten bei Diuretikaabusus.
- Therapie der zugrundeliegenden Ursache der metabolischen Alkalose
NaCl bzw. KCl-Gabe bei Verlusten
Dosisreduktion bzw. Umstieg auf kaliumsparende Diuretika
Operative Sanierung einen NNR-Adenoms.
- BGA-Beurteilung
Wie hoch ist der pH? = Azidose oder Alkalose
Wie hoch ist das Bikarbonat?
Wie hoch ist das CO2?
Metabolische oder respiratorische oder kombinierte Störung?
- Normalwerte
pH = 7,35–7,45 pCO₂ = 35–45 mm Hg bzw. 4,6–6,0 kPa HCO₃⁻(std) = 23–27 mmol / l, BE = -2 bis +3 mmol / l)
- Analyse der respiratorischen Kompensation von metabolischen Störungen
[HCO₃⁻] + 15 = pCO₂ (mmHg)= pH
- Bsp
Patient mit pH 7,20 und einem HCO₃⁻ von 14
pCO₂ = 29 mm Hg mit pH 7,29 = adäquate Kompensation
pCO₂ <29 mm Hg mit pH >7,29 = zusätzliche respiratorische Alkalose
pCO₂ >29 mm Hg mit pH < 7,29 = zusätzliche respiratorische Azidose
Erkennen von gemischten Ursachen einer metabolischen Störung mit Hilfe der Delta/DeltaAnalyse = Um wieviel verändert sich die Anionenlücke im Verhältnis zum Bikarbonat?
- Osmolarität
Maß für die Anzahl der Teilchen in einem Lösungsmittel.
- Osmolarlität
Maß für die molare Konzentration aller osmotisch aktiven Teilchen pro kg. Wasser.
- KOD
wird durch Makromoleküle an einer für diese undurchlässigen Membran, der Kapillarwand, hervorgerufen.
KOD des Plasmas = 25-28 mm Hg (va. durch Albuminmoleküle)
Vollelektrolytlösungen: Na > 120 mmol / l
Halbelektrolytlösungen: Na 61-90 mmol / l
NaCl: Na 154 mmol / l + Cl 154 mmol / l (= nicht physiologisch!)