Volatile Inhalationsanästhetika (VIA)

2.3. Volatile Inhalationsanästhetika (VIA)#

Verstärken die inhibitatorische Funktion und dämpfen die Erregungsübertragung an den Synapsen durch Störung der Ionenkanäle.

Meyer-Overton-Regel

Potenz des VIA ist proportional zu seiner Lipophilie.

Ferguson-Regel

Der Dampfdruck ist umgekehrt proportional zur biologischen Wirksamkeit, substanzspezifisch und temperaturabhängig. Je höher der Dampfdruck umso weniger anästhetische Potenz hat ein VIA.

Blut-Gas-Verteilungskoeffizient (BGVK)

= Löslichkeit des VIA im Blut

12 Methoxyfluran > 2,3 Halothan > 1,4 Isofluran > 0,65 Sevofluran > 0,47 Lachgas > 0,46 Desfluran

Dh. Je höher die Blutlöslichkeit/BGVK, umso mehr VIA kann das Blut aufnehmen, und das verlängert die Narkoseeinleitung und Ausleitungszeit. (Je höher die inspirat. Konzentration umso rascher)

Second Gas Effekt

Kombination mit Lachgas bewirkt eine raschere Anflutung, da Lachgas rasch diffundiert und eine hohe Konzentration von Sevo in der Alveole hinterlässt = raschere Diffusion.

Die Aufnahme eines VIA ist abhängig vom BGVK, HMV und der alveo/venösen Partialdruckdifferenz.

Siedepunkt bei Raumtemperatur

22,8°C Desfluran, Sevofluran 58,5°C, Lachgas -88°C.

MAC = minimale alveoläre Konzentration

= Konzentration, bei der 50% der Patienten keine Reaktion auf einen chirurgischen Hautschnitt zeigten.

Summation bei Kombination mit Lachgas! (0,75 Lachgas +0,75 Sevo = 1,5 effektiver MAC)

  • Erhöhung bei: Hyperthermie, Säuglingen, Hypernatriämie, Alkoholikern, Drogensüchtigen, MAOH

  • Erniedrigung bei: Hypothermie, Senium, Schwangerschaft, Kombination mit iv. Anästhetika od. Sedierung, Lithium, herzkranke Patienten, Sepsis,…

Bei VIA verhindert ein BIS-Monitoring keine Awareness. Zur Überwachung der Narkosetiefe wird MAC herangezogen!

Lachgas N₂O

B/G-VK 0,47 = rasches An- und Abfluten; erhöht den ICP, daher kein Einsatz in der Neurochirurgie!

Diffundiert in Hohlräume (30 x mehr löslich als Stickstoff) mit Expansion des Volumens und Druckanstieg = KI bei erhöhtem Hirndruck, Ileus, Pneumothorax, Mediastinalemphysem, LSK, Tympanoplastik, Augen-OP, Cuffdruck!;

Teratogen.

Halothan

In Österreich nur experimentelle Zwecke (maligne Hyperthermie Diagnostik), 2,3 BGVK; sensibilisiert auf Katecholamine = Rhythmusstörungen.

Isofluran

Übelriechend da mit Lösungsmittel versetzt. Keine HLM und HF möglich, weil die Membranen durch Isofluran zerstört werden; erhöht ICP, KI bei Hirndruckpatienten, schweren Leberschäden, MH

Desfluran

Übelriechend, irritierend SH; Siedepunkt bei 22°C = hoher Dampfdruck spezielle Vaporisatoren; schnelles An- und Abfluten, erhöht ICP, KI bei Hirndruckpatienten, schweren Leberschäden, MH.

Bewirkt einen HF-Anstieg und Blutdruckabfall bei der Einleitung, negativ inotrop mit Coronary steal Syndrom. Anwendung bei bariatrischen Eingriffen (Adipositaschirurgie).

Sevofluran

0,65 BGVK; nicht Schleimhaut irritierend und nicht übelriechend, potentiell nephrotoxisch durch Compound A Bildung und toxischer Fluoride,

NW: delirante Zustände va. bei Kindern, neg. inotrop, leichte Bronchodilatation, Uterusatonie in höherer Dosis (>0,5 MAC)

KI: MH, Vorsicht bei Sectio und schwerer Niereninsuffizienz.

Xenon

inertes Gas; teuer!!

2.3.1. Gemeinsame Eigenschaften volatiler Anästhetika:#

Reduktion des MAP (senken syst. Gefäßwiderstand), Sensitivisieren das Myokard gegenüber Adrenalin! Als kardioprotektiv gilt Sevofluran und Desfluran = öffnen ATP-unabhängige Kaliumkanäle der Mitochondrien, stabilisieren den Kalziumhaushalt, und die mitochondriale Funktion der Herzmuskelzelle bei MAC >1.

ZNS-Effekte

reversible Depression der Gehirnfunktion mit Bewusstseinsverlust; Entkoppeln den zerebralen Blutfluss von der zerebralen Metabolisierungsrate = herabgesetzte CMR + gesteigerter CBF (durch erhöhte Empfindlichkeit auf CO2) = erhöhter ICP (Autoregulationsmechanismus ist außer Kraft gesetzt)

Im EEG zuerst Frequenz und Amplitudensteigerung (Exzitationsstadium) und ab 1 MAC Verlangsamung.

BIS verhindert keine Awareness unter volatilen Anästhetika.

Isofluran und Sevofluran sind nach einer TIVA am besten für die Neurochirurgie geeignet, da bis 1 MAC die Autoregulation erhalten bleibt, und es nur zu einer schwachen zerebralen Vasodilatation kommt.

Renale Effekte

Beeinflussung sekundär hämodynamisch, endokrin, übers autonome NS, oder direkt durch Fluoridionen (high output renal failure) Halothan-Hepatitis und Nierenschädigung durch das Abbauprodukt Trifluoressigsäure (Trifluoracetat; TFA), welche auch theoretisch bei Sevofluran und Enfluran toxische Konzentrationen erreichen kann.

Entscheidend ist die OP-Dauer. Bei Sevofluran wurde nie eine Verschlechterung der Nierenretentionswerte festgestellt.

Hepatische Effekte

Halothan-Hepatitis wurde nicht nur durch TFA, sondern auch durch reduzierten hepatischen Blutfluss und erhöhtem VO₂ der Leber verursacht.