3.1. Kinderanästhesie#

Besonderheiten bei Kind sind ein großer Kopf, geringe Hautdicke, Verdunstung = kein Kältezittern bis 6 Lj! Bei Hypothermie steigt der Sauerstoffbedarf, es kommt zur peripheren Vasodilation, NAFreisetzung mit Azidose und Hypoxie, welche zur pulmonalen Vasokonstriktion mit Rechts-linksShunt und Hypoxie führt. Diese bewirkt rasch eine Bradykardie mit vermindertem cardialem Output (Kind reguliert CO über HF!) und Asystolie!

Prävention: Saal aufheizen, Kopf wärmen, so kurz wie nötig abdecken, warme Infusionen, warme feuchte Atemluft.

3.1.1. Flüssigkeitsmanagement:#

Erhaltungsbedarf: 4 ml / kg 1-10 kg + 2 ml/kg 10-20 kg + 1 ml / kg > 20 kg nach Holliday und Segar

  • NG 48 h + FG: 10% Glucose 2-3 ml / kg / h

  • < 6 Monate Vollelektrolytlösungen mit 1 % Glucose

  • Na + BZ-Kontrollen intra- und postopertiv! Ein besonders hohes Risiko einer Hypoglykämie haben Kinder, welche präoperativ parenteral ernährt wurden, KG < 3kg, OP > 3h, daher stündliche BZ-Kontrollen!

  • > 6 Monate isotone Lsg (Elomel)

Klinische Zeichen einer Hypovolämie bei Säugling sind Tachykardie, verlängerte Rekapillarzeit, als spätes Zeichen Hypotension, metabolische Alkalose, eingefallene Fontanellen, Letargie. Ein erhöhter Bedarf besteht bei fieber, extremen Schwitzen, Verbrennungen.

Intraoperative Verluste

Defizit + Erhaltungsdosis + intraoperative Verluste

  • Defizitausgleich mit 10-20ml/kg Bolus isotoner kristalloider oder kolloidaler Lsg.

  • Oberflächliche OP 2ml/kg/h

  • Thorakotomie 4-7ml/kg/h

  • Abdominelle OP 5-10ml/kg/h (bei Blutung, NEC ev. Mehr)

Erhöhte ADH-Sekretion durch den chirurgischen Eingriff, Schmerzen, postoperative Übelkeit mit Na und Wasserretention in der Niere.

Gefahr der Hyponatriämie mit Hirnödem und respiratorischer Insuffizienz, und Hyperglykämie (ZNS Funktionsstörungen. Ein Blutzuckeranstieg um 100mg/dl senkt das Na um 1,6 mval / l durch osmotische Wasserbindung)

Bilanz

Kinder täglich abwiegen, Ein- und Ausfuhrtabelle, Kontrolle der Serumelektrolyte!!

Kinder bei klarem Bewusstsein dürfen(wenn kein Einwand vom Operateur) sofort nach der OP klare Flüssigkeit trinken.

Transfusionsindikation

normal 80ml/kg Blutvolumen; Blutverluste sollen sofort mit isotonen kristalloiden oder kolloiden Lösungen ausgeglichen werden. Eine EK-Gabe soll beim gesunden Kind, ohne weitere Blutung, erst < 25HK erwogen werden.

  • NG Hb<13, 2 Monate Hb<8, >2Monate Hb<7 = ca. HK 25, ab 2 Lj. Hk<6 g / dl

  • 3 ml / kg Erythrozytenkonzentrat hebt den Hb um 1 g / dl!

  • Säuglinge erhalten bestrahlte Ery im Babybeutel zu 50 ml.

Gerinnungsmanagement

EK 10 ml / kg, TK 10 ml / kg, Faktorengabe, Ca, FFP 10 ml / kg, Temperatur!, Cyclokapron, Novo7 90 µg / kg, Beriplex 1 IE / kg hebt PTZ um 1

3.1.2. Atemwegsmanagement:#

Anatomische Besonderheiten: kurze (ca. 4cm) und enge Trachea (Ödem!), Ringknorpel engste Stelle, gleichwinkelige Bronchienabgänge (einseitige IT bds. möglich), U-förmige und lange Epiglottis, große Zunge, hyperplastische Tonsillen, Adenoide, verminderte FRC mit erhöhtem O2Verbrauch (6ml/kg/min) mit kurzer Apnoe-Toleranz. Beim Säugling großes Abdomen mit kleiner Lunge (immer Magensonde zur Entlastung!) und unreife Atemmuskulatur. Atelektasen bilden sich schneller.

FIO2

frühzeitig reduzieren: paO₂ SGL 50-70, Kleinkind 60-80 mm Hg!!!

Wendeltubus

Länge von der Nase bis zum Tragus abmessen!

Ursachen des schwierigen Atemwegs
  • Supraglottisch: FK, Mißbildungen, Blut, große Zunge = Kopflagerung korregieren, Guedel-Tubus, Blut absaugen, ETT nasal, LMA, LT

  • Glottisch: Laryngospasmus, FK, TU, Epiglottitis (inspiratorischer Stridor, Heiserkeit), weiche Epiglottis = dünner Tubus mit Eschmannkatheter/Cookstab, ETT nasal mit chir. Standby! Weiche Epiglottis kann mit PEEP offengehalten werden! Eine Obstruktion des Larynxeingangs in AN oder bei Laryngomalazie ist durch die Aryknorpel bedingt.

Intubation

Tubus > 1a = Alter/4+4 Intubationstiefe oral: Alter/2+12 cm (nasal +2-3 cm)

  • NG: HF 120-170, RRsyst 60-80, AF 40-60, Tubus 3,5, nasal 11-12cm

  • 12Monate: HF 100-150, RRsyst 70-110, AF 25-40, Tubus 4,0 bei 14cm nasal, LMA 1½

  • 4Jahre: HF 80-130, RRsyst>90, AF 20-30, Tubus 5 bei 14cm oral, LMA 2. (10 – 20kg KG)

  • 8Jahre: HF 70-110, RRsyst>90+Alter x 2, AF 20-25, Tubus 6 bei 16cm oral, LMA 2½ (20 – 30 kgKG)

  • Gerader Spatel bei Kindern ohne Zähne, orale IT bei kurzen Eingriffen, Notfällen und hohem Aspirationsrisiko.

  • PEEP 3 <3kg, 4 3-10kg, 5 >10kg

Gecuffter versus ungecuffter Tubus: Nur noch Microcuff-Tuben oder ungecuffte T. verwenden!

  • Vorteil mit Cuff: Atemsystem dichter, bessere Fixierung, weniger umintubieren nötig

  • Nachteil ungecufft: immer Leckage, Monitor zeigt mir nicht was ins Kind hineinkommt.

Tubus immer gut fixieren und Kopf stabil lagern (rasche Extubation bei Reklination, zu tiefe Intubation bei Inkination)

Viele Eingriffe werden beim Kind in Larynxmaske durchgeführt. Als Kontraindikation gilt ein hohes Aspirationsrisiko, hohe Beatmungsdrücke, behinderte Mundöffnung, orale/laryngeale Fehlbildungen, Bauchlage.

Komplikationen der LM: postoperatives obstruktives Lungenödem, Laryngospasmus bei schlecht sitzender Larynxmaske.

3.1.3. Laryngospasmus#

mit typischer Schaukelatmung wenn das Kind versucht gegen die geschlossene Glottis zu atmen: Maske mit hohem Flow 100% FiO₂ anhalten ohne Beatmungsversuch! Esmarch Handgriff: Unterkiefer kräftig nach vorne und Kopf überstrecken / Narkose vertiefen ev. Lysthenon 2 mg / kg iv oder intramuskulär in die Zunge, KEIN Intubationsversuch! Höheres Risiko 3-4 Wochen nach respiratorischem Infekt!! (Nicht direkt danach)

Subglottisch: Weiche Trachea, FK, Bronchospasmus ist kein Intubationsproblem, sondern ein Beatmungsproblem!

Intubierte NG müssen immer beatmet werden. Intubierte Kleinkinder nie ohne Druckunterstützung spontan atmen lassen! Kinder kompensieren nur über die Atemfrequenz und erschöpfen sich rasch! Ehemalige Frühgeborene haben ein erhöhtes postoperatives Apnoerisiko, va. bei Anämie, und müssen 24 h postoperativ überwacht werden. Traumatisierte Kinder sind nie nüchtern!

Bei bekanntem schwierigem Atemweg muss vor Einleitung ein venöser Zugang gelegt werden. Beim gesunden Kind und Standard-Plan OP kann mit Gas eingeleitet werden, und unter erhaltener Spontanatmung ein Zugang gesetzt werden. Komplikationen sind beim Kind fast immer respiratorisch!

Cannot ventilate = NOTFALL!! HILFE HOLEN!
  1. Kopfposition korregieren, ev. Rolle unter Schultern, Kinn anheben (Mund zu), UK anheben (Mund offen)

  2. Maske korrekt halten, Guedel Tubus (nie bei oberflächlicher Narkose!)

  3. Narkose vertiefen

  4. Ev. LMA,

  5. 1 x Laryngoskopieren zur Inspektion des Hindernisses mit 1 Intubationsversuch

  6. Hinderniss beseitigen: FK entfernen, Blut absaugen, Laryngospasmus: Narkose vertiefen, PEEP, ev. Relaxieren, nasaler ETT, LMA

  7. Oxygenierung nicht möglich = Cannot ventilate and intubate = chir. Atemweg Quick-Trach, Stichtechnik mit KIT

Im Notfall kann bei Sättigungseinbruch der Tubus nasal in den Nasopharyngealraum eingeführt werden, Nase und Mund zuhalten und beatmen!

Cannot intubate, aber Oxygenierung möglich!

Max. 2 Versuche, dann Hilfe holen!

Ist die OP auch ohne Tubus mit LMA/LT/Maskennarkose möglich?

Intubatin notwendig: Airtraq, Videolaryngoskop, COOK/Eschmannkatheter, dünner Tubus, fiberoptische Intubation über die LMA oder Intubationsmaske.

Einleitungsmedikamente
  • Propofol 3-6 mg / kg (TIVA 4-10mg/kg/h)

  • Thiopental 3-7 mg / kg

  • Midazolam 0,05-0,2 mg / kg iv.

  • Ketanest 1-2 mg / kg

  • Fentanyl 2-3 mcg / kg

  • Rapifen 20-30 mcg / kg

  • Ultiva: 1 mg auf 50 ml NaCl = 20 mcg / ml, 0,1 mcg / kg / min = Start auf kg x 0,3 ml / h (bis 0,3 mcg / kg / min)

  • Rocuronium 0,6 mg / kg

  • Succinylcholin 1-2 mg / kg

  • Neostigmin 40 mcg / kg (Amp = 2,5 mg) + 20 mcg / kg Atropin od. 0,005-0,01 mg / kg Robinul (Amp = 0,2 mg)

  • Atropin nie routinemäßig, sondern nur bei Bradykardie anwenden. KI sind Fieber und Mukoviszidose, NW Atropinfieber.

3.1.4. Bronchospasmus:#

VT nimmt ab durch Bronchospasmus mit Air-Traping (Auskult: Giemen, Brummen, Pfeifen expiratorisch)

Therapie
  • FIO₂ auf 100% und bei kontrollierter Beatmung Expirationzeit verlängern!

  • Narkose vertiefen, 1-3 mcg / kg Adrenalin iv, Dexamethason 0,5 mg / kg iv, ev. Ketanest 1-2 mg / kg, Theophyllin 5mg/kg initial dann 1 mg / kg *h.

  • (Wenn im Rahmen anaphylaktoider Reaktion : Fenistil 0,1 mg / kg iv.* H1-Blocker; H2-Blocker erst > 12 Lj Ranitidin)

3.1.5. Das postoperative Kind:#

PONV-Prophylaxe

wirken auf die Chemotriggerzone des Brechzentrums in Formatio reticularis)

  • Dexamethason 0,15mg/kg (Glucocorticoide)

  • Zofran 0,1mg/kg (Ondansetron, 5-HT3-Antagonist)

  • Vomex A (Dimenhydrinat, Antihistaminika)

  • DHB 20-40µg/kg ab 2 Lj.

Bei postoperativer Übelkeit immer zuerst Flüssigkeit, da oft Hypovolämie die Ursache!!

Postoperative Schmerztherapie
  • Perfalgan <10kg 7,5mg/kg + >10kg 15mg/kg iv. alle 6 h (Toxische TD 150-200mg/kg)

  • Novalgin 15mg/kg alle 6h

  • Mexalen Supp rektal Sgl. 125 mg bis 6 Jahre 250mg

  • Parkemedsaft, Nureflexsaft

  • Dipidolor: 50mcg/kg Bolus bis max 0,4mg/kg in 4h

  • Nalbuphin 0,1 bis 0,2mg/kg

  • Goldstandard ist die Regionalanästhesie!

Prüfung: Tonsillennachblutung!

Blutverlust schwer abschätzbar (verschlucken!) Guter venöser Zugang + großzügig Volumengabe! (Cave Interaktion HES und Gerinnung bei höherer Dosis), Fremdblutgabe beim kreislaufstabilen Kind erst ab Hb < 6-7g/dl. Die TE + AT ist die häufigste OP beim Kind. Nachblutungen treten am OP-Tag und am 7 postoperativen Tag bis 3 Wochen postoperativ auf.

RSI

Präoxygenierung, Fentanyl 3-5µg/kg (dämpfen laryngeale Reflexe), Propofol 4-6mg/kg, KEIN Krikoiddruck. Intubation bei kleinen Kinder ohne Relaxans, bei größeren Rocuronium 0,6-1mg/kg; Magensonde nach Blutstillung unter Sicht setzen!!

Postoperative Schmerztherapie bei TE/AT

0,1-0,15mg/kg Dipidolor bei Einleitung + 1mg/kg

Diclofenac Supp. bei Einleitung (ab 2 Lj) + Metamizol 10mg/kg ad 20 ml NaCl über 15 min im Aufwachraum. KEIN Paracetamol wegen geringer analgetischer und antiphlog. Potenz. (Ögari 2013)

TE/AT

TIVA mit Propofol + Ultiva 0,3 µg / kg / min + Spiraltubus oder Spiral LM (wird nur mit Mundspatel fixiert), Kind spontanatmend in stabiler Seitenlage mit liegender LM und O₂Insufflation in den Aufwachraum legen = schmerzfrei, weniger schreien = weniger Nachblutungen.

Schmerzskala
  • KUSS = Kindliche Unbehagen Schmerz Skala bei Kindern < 3-4 Lj: Weinen (nicht, jammern, schreien), Gesichtsausdruck (entspannt, Mund verzerrt, Grimassiert), Rumpfhaltung (neutral, unruhig, aufbäumen, krümmen), Beinhaltung (neutral, strampelt, angezogen), motorische Unruhe (keine, mäßig, ruhelos). Ab 4 Punkten Therapiebedarf!

  • SAS = Smiley Analog Skala ab 3-4 Lj: von 0-5 (stärkste vorstellbare Schmerzen) (Pain Face S.)

  • NRS: numerische rating skala ab 6Lj: 0-10 (11 stufige NRS), ab 4 Handlungsbedarf.

Pylorusstenose

In BGA hypochlorämische Alkalose + ev. Hypokaliämie

Initialer Bolus mit 20ml/kg NaCl 0,9% + kontinuierliche Erhaltungsdosis mit NaCl 0,45 in 5% Glucose mit primär 1 ½ facher Erhaltungsdosis.

Nach Einsetzen adäquater Harnproduktion kann Kalium ersetzt werden! Regelmäßige Elektrolytkontrollen! Ab HCO₃⁻ < 28 + BE +2 kann operiert werden.

Epiglottitis

inspiratorischer Stridor, verwaschene Sprache, hohes Fieber, schwer krank, Speichel rinnt aus dem Mund; Kind sitzen lassen! O₂-Gabe! Adrenalin unverdünnt vernebeln! Schutzintubation in Tracheotomiebereitschaft (HNO) mit ½ bis 1 Nummer kleineren Tubus mit Führungsstab!

3.1.6. Kindersedierung#

  1. Minimale Sedierung: Anxiolysis

  2. Moderate Sedierung: Spontanatmung erhalten, reagiert auf Ansprache und leichte Berührung, z.B. CT (schmerzfreie Untersuchungen) (Zielparameter ist der Schlaf)

  3. Tiefe Sedierung/Analgosedierung: unsichere Spontanatmung, Reaktion auf Schmerzreiz, z.B. für MRT (Lautstärke!)

  4. Allgeinanästhesie: keine Reaktion auf Schmerz

Vorraussetzungen: SOAP ME

Suction, Oxygen, airway, pharmacy, monitors, equipment

+ nicht verkühltes, nüchternes Kind, Aufklärung und Einwilligung der Eltern, Venflon, Standartmonitoring (Blutdruck vor und nach Sedierung), funktionstüchtige Narkosemaschine, Airway-Equipment, geschulten Anästhesisten.

  • Prämed: 0,5 mg Dormicum/kg po (max. 10 mg po)

  • Dormicum 0,1mg/kg + 1-2mg/kg Ketanes +20mcg Atropin wg. Hypersalvisation

  • 0,1-0,2/kg Nubain langsam iv. + 1-2mg/kg Propofol (mit 1:10 Lidocain) + ev. 0,5mg/kg

    Bolus alle 30sec. bis das Kind schläft. Bei langandauernden Untersuchungen

    Propofolperfusor mit 5-8mg/kg/h

+ Regionalanästhesie oder LA bei Punktionen!

Gesicherte Spontanatmung
  • Kinder-Venturi-O₂ Maske (im MRT ohne Metallbügel)

  • Nasale CO₂-Messung

  • Nacken/Schulterrolle für korrekte Kopfhaltung

3.1.7. PLS (Pädiatric life support)#

(BLS: Atemwege freimachen, 5 initale Beatmungen, CPR 15:2, 5 Reanimationszyklen, Hilfe holen)

EKG/Defi anlegen
  • Kammerflimmern oder pulslose Kammertachykardie: Schock mit 4 J/kg – CPR mindestens 2 Minuten fortsetzten – nach dem 3.Schock 4J/kg soll Adrenalin 0,01mg/kg + 5mg/kg Amiodaron verabreicht werden – alle 3 bis 5 Minuten Adrenalin – nach dem 5 Schock erneut + Amiodaron - ….nach ROSC Amiodaron Dauerinfusion!

  • Asystolie, Bradykardie <60/min ohne Kreislaufzeichen, oder pulslose elektrische Aktivität PEA: CPR weiter mit 0,01mg/kg Adrenalin alle 3 bis 5 Minuten.

  • Spontankreislauf wiederhergestellt (ROSC = Return of spontan circulation): Reanimationsnachsorge

Atemwegsmanagement

Atemwege sichern: Intubation (LT, CT) mit Kapnometrie (oder Farbindikatorfilter), Kind ohne Kreislauf braucht keine Medikamente zur Intubation (RSI). Bei Va. HWS-Verletzung stabilisieren! Bei kleinen Kindern sofort Magensonde zur Entlastung setzten!

Kreislaufmanagement

Gefäßzugang (wenn iv. Zugang nicht innerhalb einer Minute gelingt, interossärer Zugang), Bei Volumenmangel/Schock Bolus 20ml/kg isotoner Elektrolytlösung, Medikamente im Rahmen der CPR (Adrenalin, Amiodaron) ev. Atropin bei Bradykardie aufgrund Vagotonus (Bei Bradykardie mit schlechter Perfusion Adrenalin!), Glukose nur bei nachgewiesener Hypoglykämie. Ev. Defi mit 4J/kg.

Ursachen beheben!

4 H´s und HITS:

  • Hypoxie, Hypovolämie, Hypo oder Hyperkaliämie, Hypothermie, Herzbeuteltamponade – Intoxikation – Thromboembolie – Spannungspneumothorax

Reanimationsnachsorge
  • ABCDE-Schema (Disabiliby = Neurostatus, Exposure=erweiterte Untersuchungen)

  • Sauerstoff reduzieren, Ziel SO₂ 94-98%

  • Diagnostik/Ursache beheben

  • Temperaturkontrolle

  • Therapeutische Hypothermie?

  • Beendigung der CPR: frühestens nach 20 Minuten, bei Kindern eher später.

3.1.8. Analgosedierung und Beatmung des Kindes auf der Intensivstation#

Grundeinstellung Respirator
  • TV 6-10ml/kg

  • Pinsp 12

  • PEEP 3-5

  • I:E 1:1,5

Brustkorb muss sich beidseits vollständig heben und senken, SaO2, etCO₂ und BGA!

Analgetika

multimodale Analgesie = + RA + NSAR

Kreislaufstabiles Kind:

  • Morphin

  • Piritramid

  • Remifentanil

Kreislaufinstabiles Kind:

  • Fentanyl

  • S-Ketamin

Sedativa
  • Propofol: Kurzzeitsedierung, Interventionen

  • Clonidin im Weaning

  • Thiopental

Beispiel

Initial: Midazoloam + Propofol + Morphin (solange Intubation notwendig: Opiate)

Switch (reduziert NW, Bessere Steuerung der Wirkzeiten, Abkürzung Entzugssymptome)

Weaning/Extubation: Midazolam + Clonidin + Remifentanil + Regionalanästhesie wenn möglich, Midazolam + Remifentanil ausschleichen + zum Schluss Clonidin ausschleichen.

3.1.9. Regionalanästhesie bei Kindern#

Ziel ist die perioperative Schmerzfreiheit des Kindes = Goldstandard der Schmerztherapie!

Präoperativ in AN: Nachteil sind fehlende Alarmzeichen bei versehentlich intravasaler Injektion, Schmerz bei punktionsbedingter Nervenläsion fehlt, Toleranz des kardiovaskulären Synstems ist gegenüber LA vermindert. Vorraussetzung: Venenzugang!

Ursache erhöhter Toxizität von LA bei Kindern
  • Höheres Verteilungsvolumen der LA

  • Verminderte Clearance von Aminoamid LA mit erhöhter HWZ

  • Vermindertes saures alpha-1-Glykoprotein mit verminderter Proteinbindung der LA (Bindung erfolgt auch an Albumin) = erhöhte Spiegel freier ungebundener Aminoamid LA

Schnellere Anschlagzeit durch unvollständiger Myelinisierung der Nerven unter 12 Lj mit verkürzter Wirkdauer. Durch den 2-3x erhöhten lokalen Blutfluss und erhöhtem kardial Output bei Kindern kommt es zu einer rascheren systemischen Verteilung des LA! = niedrigere Dosierung als beim ERW! Die geringste kardiovaskuläre und Zns-toxizität hat Ropivacain und Levobupivacain!

Maximale Dosis pro 6 Stunden
  • Ropivacain 3mg/kg

  • Bupivacain 2,5 mg /kg

  • Lidocain 5mg/kg

Blockaden so peripher wie möglich, so zentral wie nötig setzten! Immer mit Sono oder Stimulator!

Kaudalblock (= Sonderform der PDA)
  • Ind: Hernien, Nabelbruch, CC, Hydrocele, Hypospadie, Orchidopexie, Klumpfuß Korrektur…

  • KI: Spina Bifida, kongenitale Vitien

Möglich bis zum 6 Lebensjahr/ca. 25kg, danach Ossifikation der WS abgeschlossen. Durasack reicht bis 9 Monate bis S3/4, danach liegt das Ende bei S1/2 = kraniale Ausbreitung ist unter 9 Monaten am ausgedehntesten!

  • Durchführung: Linksseitenlage, obere Hüfte 90° untere 45° oder 90° gebeugt. Einzeichnen eines gleichschenkeligen Dreiecks von beiden Spina iliacae superior zum Hiatus sacralis.

    Hautdesinfektion, 22-25 G Kaudalnadel perforiert die Membrana saccoczygea („POP“) + 1-2 mm vorschieben, Aspiration in 2 Ebenen, Injektion über Verlängerungsschlauch (immobile Nadel).

  • Dosis: Ropivacain 0,2% 1-1,5ml/kg + 2 mcg/kg Clonidin (Kind > 3Monate).

    Die Analgesie verlängert sich durch das Clonidin von 4-6 h auf bis zu 12h! Je nach Dosierung kann eine Blockade bis Th12 oder Th8 erreicht werden. Onset-time liegt bei 8 bis 14 Minuten.

Gefahr eine Fehlinjektion subcutan, periostal, rectal oder subarachnoidal!

Spinalanästhesie

Vorallem bei FG und ehemaligen FG unter der 56 postkonzeptionellen Woche zur Vermeidung einer AN mit erhöhtem Risiko einer postoperativen Apnoe.

  • Besonderheiten: rasche kranielle Ausbreitung, hält max. 60-80min, Nach Injektion keine Lageveränderungen mehr, Punktion immer tiefer L4! Beim Kind besteht bei herabgesetztem Preload, mit verminderter rechts artrialer Füllung, ein erhöhtes Risiko einer Bradykardie mit Asystolie (Therapie: Adrenalin, Volumen und ev. HLM)

  • Dosis: isobares Bupivacain 0,3 ml bis 2kg Körpergewicht + weitere 0,1ml/2kg KG

Epiduralanästhesie

Indiziert bei großen thorakalen oder abdominellen Eingriffen. Z.B. NEC + Pankreatitis. Immer ultraschallgezielt vom geübten Anästhesisten.

Paravertebralblock

bei Serienrippenfraktur!!!

Axilläre Plexus Blockade
  • Ind: Radiusfraktur (Reposition, Bohrdraht)

  • Dosis: Ropivacain 0,5 – 0,75% 0,5ml/kg

  • Alternative: LVIP (laterale vertikale infraclavikuläre Plexusblockade), allerdings nur wenige Millimeter zur Pleura!

Skalenusblock
  • Ind. Proximale OA-Fraktur, Schulterluxation

  • NW: Horner, Recurrens, Phrenicusparese – Aufklärung der Eltern!

3 in1-Block/Femoralisblock/Femoraliskatheter
  • Ind. Schmerztherapie nach Ober – und Unterschenkelfrakturen

  • Bein leicht außenrotieren lassen, Arterie einzeichnen, Sono!!!

  • Dosis: Ropivacain 0,2-0,5% von 5 bis 20 ml je nach Alter (max. 3mg/kg in 6 Stunden)

  • Alternative: Ischiadikusblock + Tibialisblock

Sonstige Blockaden
  • Inguinalblock zw. M. transversum abdominus und M. obliquus int. (Haut)

  • Rektusscheidenblock über dem Magen (Haut)

  • Transversum abdom. Plane block für die Bauchwand (Endäste T9-L1) Haut!

  • N. Tibialis Block: in der Kniekehle gestochen, für Anästhesie der Fußsohle, z.B. Warzenentfernung

  • Peniswurzelblock: CC, bei 11 und 13 Uhr Blockade der N. dorsalis penis mit 0,1ml/kg Bubivacain 0,25 (ohne Vasokonstriktor). KEIN Naropin = vasokonstriktorisch wirksam + subkutane Quaddel an der dorsalen Penisraphe.

3.1.10. Ambulante chirurgische bzw. anästhesiologische Versorgung von Kindern#

Vorraussetzung

Personelle und räumliche Ausstattung, Gute sprachliche Verständigung mit den Eltern, Eltern erfahren genug das Kind postoperativ zu betreuen.

Kurze Eingriffe, ohne Blutung, gesundes Kind, chronischen Erkrankungen mit erhöhtem Apnoerisiko mit längerer Beobachtungsphase (individueller Entscheid).

Entlassung wenn respiratorisch und neurologisch unauffällig, keine Schmerzen, kein PONV, keine erkennbare Blutung. Eltern über Schmerztherapie, Kontaktmöglichkeit bei Komplikationen und Nachsorgeplan aufgeklärt.