4.20. Pankreatitis#
- Patho
Freisetzung von Chemokinen bewirkt Chemotaxis = Anlocken von Monozyten, Makrophagen, Lymphozyten, welche pro- und antiinflammatorische Zytokine freisetzen = führen zur Fettgewebsnekrosen (Autolyse durch Lipase) und Drüsengewebsnekrosen und Ödem (Trypsin + Chymotrypsin) durch gestörte Mikrozirkulation und Einblutungen (Elastase), Permeabilitätsstörungen (Kallikrein mit Bildung von Kininen) und Schmerzentstehung mit Entzündungsinfiltrat. (SIRS entscheidet Prognose)
- Dauer
ca. 4-6 Wochen nekrot. Pankreatitis!
- Urs
biliär > alkoholtoxisch > sonstiges (Infektionen, Medikamente, Trauma, idi
- Klinik
plötzlich einsetzender heftiger gürtelförmiger OB-Schmerz in den Rücken ausstrahlend.
Geblähtes Abdomen mit fehlender Peristaltik (paralytischer Ileus) und heftigem DS im Oberbauch.
Nekrotisierende Pankreatitis: CULLEN-Zeichen: bläuliche Verfärbung um den Nabel + GREY TURNER Zeichen mit blaugrüner Verfärbung der Flanken aufgrund retroperitonealer und intrapankreatischer Einblutung.
- Komplikationen
sept. Schock, MOF
- Labor
Lipase/Amylase sind initial auf > 3 fache erhöht, können bei Aufnahme aufgrund Organnekrose bereits im Normalbereich sein.
HK > 44% durch sequestr. Flüssigkeit ins Interstitium, erhöhte EZP (CRP, Leuko), ev. erhöhtes Kreatinin, Hypocalcämie,
- Phase I
SIRS-Symptomatik: Fieber/Hypothermie, Tachykardie, Tachypnoe, Leukozytose/penie
- Phase II
schwere akute Pankreatitis, Sepsis, septischer Schock
Pankreatitis Verlaufsmöglichkeiten:
Interstitielle ödematöse P. mit unkomplizierter Restitution = milde P. ohne Organversagen
Nekrotisierende P. mit steriler Nekrose mit postakuter Pseudozystenbildung = moderate P. mit vorübergehendem Organversagen
Nekrotisierende P. mit infizierter Nekrose mit Pankreasabszessbildung = schwere peristierende P.
- Diagnostik
KM-CT ab dem 4 Tag (Nekrosenentwicklung erst ab 4-5 Tage!) = aufgelockertes Gewebe, Flüssigkeit rund um Pankreas, ev. Lufteinschlüsse
ERCP bei va. biliäre Genese: Papillotomie und Steinextraktion möglich
Sonographie hat nur eine Sensitivitt von 67%
Feinnadelaspiration: sterile vs. Infizierte Nekrose (Keimbestimmung, Antibiogram!)
- Ranson-Score (Mortalitäts RISK)
>55a, Leuko>16, Gluc >200, LDH >350, AST >250
HK-Abfall > 10%, Calcium-Abfall >8, BE >4 (Azidose), pos. Bilanz > 6l, paO2<60 (min. CPAP)
5-6 signs 40%, >7 signs 99% Mortalitätsrisk
- Balthazar-Index (CT-Index)
ödematös, Flüssigkeitssaum, Aszites, Pleuraerguss, Nekrose,…
Hypokalzämie durch PTH-Resistenz, Endotoxine per se, Störung der Darmresorption von Kalzium
Der Hauptrisikofaktor für Sepsis und konsekutivem MOF ist die Infektion der Pankreasnekrose in der II Phase der Erkrankung!
Kausale Therapie nur bei biliärer Pankreatitis mittels ERCP möglich.
- Sonst nur supportive Therapie zur Vermeidung von Komplikationen
Volumen: signifikante Flüssigkeitsverluste in den dritten Raum bis zu 10l/24h!! mit Elektrolytverschiebungen, Einschwemmen von toxischen und vasoaktiven Substanzen: Kristalloide + Kolloide + Vasopressoren (NA, VPR, Dobutamin) nach PICCO! Eine erfolgreiche Rehydration innerhalb der ersten 2 – 24 h kann das Outcome deutlich verbessern.
Septic shock: early goal directed therapy (AB breit, hoch dosiert, sofort) + Vasopressoren+Fluid management = Eckpfeiler der IBS-Therapie
Respiratorisch: meist linksseitiger Pleuraerguss+Atelektasen + schmerzbedingte Hypoventilation = respiratorische Insuffizienz
ANV-Prophylaxe: Volumen + ausreichend MAP
Schmerztherapie: PCA mit Opioiden: Tramal und Pethidin beeinflussen Sph. Oddi am wenigsten + NSAR; thorakale PDA problematisch wg. Infektion und Gerinnung.
AB: nur bei infizierter Nekrose bei klinisch akutem Zustand oder pulmonalen Infekt, am besten nach FNA/Keimbestimmung/Antibiogram, sonst Peneme/Imipenem/Zienam sofort!
Optimal wäre jedoch erst in der 3-4 Woche! AB von Vorbehandlungen bei stabilem Zustand sofort absetzten!
Ev. in den ersten 2 Wochen prophylaktische Antimykotikatherapie
Gerinnung: bei DIC FFP und Heparin
Hypokalziämie: Kalziumglukonat
Hyperglykämie: Insulin
Enterale Ernährung: über eine nasogastrale Sonde mit fettarmer Ernährung, Beginn innerhalb von 24h, parenterale Ernährung soll vermieden werden. Limitierend ist eine schwere Gastroparese.
Chirurgische Therapie: bei infizierten Nekrosen (FNA) mittels Debridement, Aszitesentfernung, legen einer Drainage oder VAC. Demarkation der Nekrose tritt erst nach 2-3 Wochen nach Onset ein und ist Vorraussetzung für suffiziente Entfernung, daher am besten in Woche 4-8!!! Frühere chir. Intervention nur bei massiver Blutung, Darmperforation oder früher Infektion der Nekrose. Meist wiederholte Laparotomie mit Lavage und VAC.
Frühe Mobilisierung und frühes Weaning vom Respirator